Huber Schmuckdesign

Herr der goldenen Kerbtiere

Schwäbisches Tagblatt, 15. Januar 2007

In einem Jettenburger Häuschen hat sich ein Goldschmied niedergelassen…

Jettenburg. „Ich habe schon einen wahnsinnig tollen Beruf“, sagt Holger Huber und strahlt. Unter den geschickten Händen des 39-Jährigen wird kostbares noch kostbarer, entstehen prachtvolle Halsketten, anmutige Ringe und anderes Geschmeide. Holger Huber ist Goldschmiedemeister. In seiner kleinen Werkstatt in Jettenburg, die er gemeinsam mit seiner Frau Ivonn (geb.Lipovszky Ivonn) betreibt, ist wirklich alles Gold, was glänzt.

Der Schein ist so schön, dass sich das Auge nur all zu gern von ihm täuschen lässt. Die Fühler und Beinchen des kleinen silbernen Käfers sind so feingliedrig herausgearbeitet, dass man beinahe damit rechnet, er würde jeden Augenblick Holger Hubers Handteller verlassen und über die mit Schmiergelgerät, Feilen und anderem Werkzeug bedeckte Werkbank krabbeln.Wie lange er gebraucht hat, um das Schmuckstück so lebendig zu formen, sei schwer zu schätzen, meint der Goldschmiedemeister. Ohnehin sei der kostbare Käfer mit einem Leib aus blauschimmerndem Aquamarin unverkäuflich.

 

Auch sonst falle es ihm mitunter schwer „ein Stück aus der Hand zu geben“, gesteht Huber. Schließlich liegen bis zu zwölf Stunden Arbeitszeit zwischen dem gezeichneten Entwurf und dem fertigen Ring oder vollendeten Kette, die in kleinen Vitrinen ausliegen.

 

Denn in Hubers Werkstatt, die er sich in einem Fachwerkhäuschen neben seinem Wohnhaus eingerichtet hat, ist alles noch Handarbeit. Aus Spezialwachs schnitz der gebürtige Reutlinger zunächst ein Modell, das in einer Form mit Guss-Sand gedrückt wird. Dann wird das granulierte Edelmetall in einem Tiegel erhitzt: „ Silber schmilzt bei 961, Gold bei 1063 Grad“. Dass Flüssige Metall wird, ähnlich wie beim Kuchenbacken, in die Form gefüllt, kühlt ab und härtet aus. „ Und dann“ erklärt Huber, „fängt die eigentlich Arbeit an“: Schleifen, polieren, schmirgeln, wieder polieren – bis der Schmuck perfekt wird, der Goldschmied endlich zufrieden ist: „ Bei einem so kleinen Werkstück sieht man schließlich jeden noch so winziger Fehler.“

 

Denn Hubers Kunden setzen auf Wertarbeit: „ Wer auf dem Markt bestehen will, hat nur eine Chance, wenn er billige Massenware produziert oder hochwertige Arbeit leistet.“ Die Eröffnung der eigenen Werkstatte 2003 bedeutete für Ivonn und Holger Huber also nicht nur die Erfüllung eines langgehegten Traums, sondern auch Risiko. „Mann muss sehr klein anfangen“ sagt Huber, der auf Bestellung arbeitet oder auf Kunsthandwerker-Märkte unterwegs ist. Im Schuppen neben dem Haus will Huber seine Werkstatt weiter ausbauen.
Mittlerweile zieht es zwar immer mehr Kunden auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichem nach Jettenburg. Leben können die Hubers von Ihrer Gold- und Silberschmiede jedoch noch nicht. Holger Huber ist deshalb hauptberuflich in einer Trauringfabrik in Metzingen tätig. Ivonn Huber hat nebenher noch Buchhalterin gelernt.

 

„Mein eigentlicher Beruf ist hier in Deutschland inzwischen ausgestorben“, berichtet die 33-Jährige, die in ihrem Heimatland Ungarn auf einer Kunsthochschule Silberschmiedin gelernt hat. In der Schmiede hat sie sich dennoch ein Eckchen eingerichtet, um ihre Handwerk nachzugehen. Mit Hammer und Schraubstock als wichtigsten Werkzeugen scheint Ivonn Huber in der gemeinsamen Werkstatt eher fürs Grobe zu sein; aus massiven Silberplatten entstehen jedoch erstaunlich zierliche Vasen, Armreife und Schalen mit filigranen Mustern.

 

"Wir ergänzen uns gut“, findet Holger Huber, „meine Frau hat Verständnis dafür, wenn ich noch um vier Uhr nachts in der Werkstatt bin, weil ich unbedingt meine Arbeit fertig bekommen möchte“. „Dieser Beruf ist Schicksal, das ist so, wie ein innerer Zwang“, meint die Silberschmiedin, die ihre kreative Ader auch in der Malerei auslebt. Den Schritt zur Selbstständigkeit bereut das Paar trotz aller Mühen deshalb nicht. „ Das Schöne bei unseren Kunden ist, dass viel zurückkommt“, berichtet Holger Huber. Der Kontakt breche auch nach den Auftragsarbeiten nicht ab: „Die Kunden rufen uns an und erzählen davon, wenn sie von Bekannten auf die die individuellen Schmuckstücke angesprochen werden.“ Und so ein Lob, das ist schließlich mit Gold nicht aufzuwiegen.
Anette Grüninger